Wahlstatistik

Geht die Schere zwischen Arm und Reich nun auf oder nicht? Man kann es haben, wie man es will – ganz abhängig von der Zeitung die man liest. Auch je nach betrachteter Grundgesamtheit kommt man zu gänzlich unterschiedlichen Resultaten. Global betrachtet ist die Sache jedoch klar: Noch nie gab es so wenig arme Erdenbürger wie heute. Lokal betrachtet gab es auch schon früher grosse Unterschiede – wie zum Beispiel dieser nette Familiensitz aus dem 18. Jahrhundert belegt.

Is the gap between rich and poor widening or not? You can have it the way you want – depending on the newspaper you read. Completely different results can also be achieved depending on the basic population under review. On a global scale, however, the situation is clear: never before have there been so few poor people on earth. From a local point of view, there have always been great differences – as this nice family residence from the 18th century proves, for example.

Homeboy

Heimkommen 2018 sieht ganz anders aus, als in 1950: Kopfhörer anstelle Krawatte (trotzdem Gutverdiener), Turnschuhe statt Lack und ein Sportrucksack ersetzt die Schweinsledermappe. Auch wartet wohl keine Gemahlin stolz mit stundenlang vorbereitetem Slowfood, denn sie ist noch an der Arbeit. Alles ist anders und vieles besser. Damit wir unsere Wurzeln nicht ganz vergessen, machte der Architekt mit den seltsamen der Dächer der Velounterstände eine Reminiszenz an die 50er-Jahre.

Coming home in 2018 looks very different from 1950: headphones instead of a tie (but still earning well), sneakers instead of lacquer and a sports backpack replaces the pigskin briefcase. No wife is waiting proudly with slow food prepared over several hours, because she is still at work. Everything is different and a lot of things are better. In order not to completely forget our roots, the architect made a reminiscence of the 1950s with the strange roofs of the bicycle stands.

Volksbegehren

Im Gegensatz zu früheren Jahren konnte man in den Bergen wieder reichlich Familien und jugendliche Wintersportler beobachten. Das ist nicht nur den hervorragenden Schneebedingungen zuzuschreiben – die Skigebiete haben auch viel unternommen, um gelegentlich in ein Familienbudget zu passen. Billig ist Wintersport damit immer noch nicht, aber sein Geld wert.

In the mountains, in contrast to earlier years, there was again an increase in the number of families and young winter sports enthusiasts. This is not only due to the excellent snow conditions – the ski resorts have also done a lot of things to fit into a family budget from time to time. Winter sports are still not cheap, but worth the money.

Vereinsigung

Vereine werden unterschätzt. Überall dort, wo eine Dorfgemeinschaft noch die Zeit dafür findet, gemeinsam etwas grosses auf die Beine zu stellen, schaffen Vereine die nötige Plattform. Wie kommt die urbane Bevölkerung bloss zu Ansicht, dass man in Vereinen nur Karnickel züchten oder Armbrust schiessen kann?

Associations are underestimated. Wherever a village community still has time to work together to create something big, the clubs create the necessary platform. What makes the urban population think that you can only breed rabbits or shoot crossbows in associations?

Karfreitag

Der Karfreitag ist wohl der stillste Feiertag im Christlichen Kalender. Das macht ihn weit über religiöse Grenzen hinaus wertvoll. Wenn wirklich alle Geschäfte geschlossen sind und das öffentliche Leben nur gedämpft verläuft, kann man sich ganz hervorragend und Dinge kümmern, für welche man im hektischen Alltag keine Zeit findet. Wer dem nicht gewachsen ist, kann ja online shoppen.

Good Friday is probably the quietest holiday in the Christian calendar. This makes it valuable far beyond religious boundaries. When really all the shops are closed and public life is subdued, one can take care of things that one cannot find time for in hectic everyday life. If you’re not up to it, you can still shop online.

Wechselstube

Noch weiss niemand genau, was für Folgen der Brexit für die Finanzmetropole London haben wird. Sorgenvolle Gesichter trifft man trotzdem zuhauf. Dies nicht ohne Grund: Erste Konzerne verlegen Abteilungen oder gar den Hauptsitz, die Inflation zieht an, aber die Regierung geht noch immer auf Konfrontationskurs mit der EU. Nun, vielleicht hören die Chinesen nun wenigstens damit auf, ehrwürdige Brauereien zusammenzukaufen.

No one knows exactly what the consequences of the Brexit will be for the financial capital of London. Nevertheless, one encounters many worried faces. This is not without a good reason: the first companies are moving departments or even their headquarters, inflation is rising, but the government is still on a confrontational course with the EU. Well, maybe now the Chinese will at least stop buying up venerable breweries.

Kreisssaal

Die Bezeichung „Kreisssaal“ kommt mittelhochdeutschen „krīzen“, was so viel wie schreien oder stöhnen heisst. Somit passt der Begriff durchaus auch im Kontext einer solch ungewöhnlichen Bestuhlung. Der Sitzungsleiter ging ganz richtig von der Annahme aus, dass auch die Geburt guter Aktionspläne gelegentlich schmerzhaft ist. Und geschrien und gestöhnt wird in Sitzungen ja auch.

The term „Kreisssaal“ comes from Middle High German „krīzen“,, which has thes the same meaning as screaming or moaning. Thus, the term also fits in the context of such unusual seating. The session host was right in assuming that even the birth of good action plans can sometimes be painful. And people scream and moan at meetings, too.

Minimallandschaft

Winterlandschaften können in bleiernem Licht gelegentlich schon etwas karg daherkommen.  Trotzdem ist es keine Alternative, den ganzen Tag drinnen zu bleiben. Spätestens wenn sich 20 C kalt anfühlen und Lesen anstrengend wird, ist es Zeit, die Winterschuhe zu binden. Das Gefühl nachher kennen wir ja alle.

Winter landscapes can occasionally appear a little sparse in a pale light.  Still, it’s no alternative to stay indoors all day. It is time to tie your winter shoes when 20 C feels cold and reading becomes strenuous. Well, we all know that feeling later.

Zeitwohnung

Nicht immer sind die Zweitwohnungsgebiete in den Bergorten so hell erleuchtet wie in diesem Winter. Oft sind solche Hänge in bester Lager dunkel. Und das möglicherweise mit zunehmender Tendenz, denn aktuelle Immobilienstudien vermuten, dass die nächste Generation weniger Wert auf eine eigene Ferienliegenschaft legt. Zu gross uns günstig ist das Angebot an exotischen Destinationen. Nun, vielleicht können sich dafür auch Einheimische wieder leisten, hier zu wohnen.

The secondary housing areas in the mountain villages are not always as brightly lit as in this winter. Often such hillsides in best locations are dark. And this may be an increasing tendency, as current real estate studies suggest that the next generation will put less emphasis on their own holiday property. The offer of exotic destinations is too large and cheap. Well, at least the locals can then afford to live here again.

Glückstreffer

In Frankreich gut zu essen ist heutzutage gar nicht mehr so einfach. „Essen wie Gott in Frankreich“ war einmal. Heute beschränkt sich die Wahl oft auf „sehr teuer“ und „sehr schlecht“. Was immer der Grund hierfür sein mag, es gibt selbst in Paris noch Ausnahmen. Wie z.B. das Restaurant Polidor, welches stolz darauf ist, seit 1845 keine Kreditkarten zu akzeptieren. Und dessen Küche und Kellnerinnen den Charme einer längst vergangenen Zeit verströmen.

Eating well in France is not so easy these days. „Eating like God in France“ is a thing of the past. Today, the choice is often limited to „very expensive“ and „very poor“. Whatever the reason, there are exceptions even in Paris. Such as the Polidor restaurant, which is proud not to accept credit cards since 1845. And their cuisine and waitresses exude the charm of a time long past.