Imobilienblase

Gepflegtes Wohnen unterscheidet sich stark von Land zu Land. Während man bei uns für viel Geld wenigstens viel Substanz bekommt, werden in England die Fensterrahmen noch immer nur von den vielen Schichten weisser Farbe zusammengehalten. Im Grossraum London wären Zürcher Preise geradezu ein Schnäppchen – zumindest komfortbereinigt. So pendelt der arme Salaryman jeden Morgen und jeden Abend weit über eine Stunde, um seiner Familie ein schönes Heim zu ermöglichen.

Bussfliegen

Heutzutage ist es deutlich weniger schick, zum Jetset zu gehören, als in den Sechzigerjahren. Damals kostete ein Flug nach London oder Paris noch locker ein Monatseinkommen. Heute fliegt man dorthin, um sein Monatseinkommen zu rechtfertigen. Und sei es nur für eine Sitzung. Flugzeuge sind die Busse von heute. Für kleines Geld reist man 1000 km und ist am gleichen Tag wieder zu Hause. Das macht wohl gleichviel Sinn, die die Weltreisen von damals.

Eintauchen

Dichter Nebel über London. LX316 taucht gerade in die Wolken ein, als der Pilot „We’re on automatic landing – all electronic devices have to be completely switched off!“ durchgibt. Für kurze Zeit kommt entspannte Hektik auf: Flight Attendants sammeln emsig letzte Becher ein, binden Vorhänge zurück und stellen sicher, dass alle Passagiere angegurtet sind. Vielflieger lassen sich davon aber nicht beunruhigen. Davon gibt auf diesem Morgenflug viele, und alle blättern weiter gelangweilt in der NZZ, Financial Times oder einer anderen Zeitung, für die man immer noch gerne ein Abonnement bezahlt.

Reiselust

Endlich ist die geruhsame Ferienzeit zu Ende, und die Geschäftsreisenden können wieder der Reiselust frönen. Man sieht die glücklichen Gesichter allenthalben – auf den seltsamen Plakaten mit lachenden Performern allerdings häufiger, als auf den Gesichtern der Passagiere.

Baustelle Zukunft

Zukunft

Es gibt Dinge, die werden hoffentlich nie fertig – wie z.B. die Zukunft. Dann gibt es aber auch solche, welche man sich irgendwann gerne zu Ende wünscht – so z.B. die Flughäfen dieser Welt. Sie sind eine nie endende Baustelle, deren Einfahrten in die Parkhäuser und verschlungenen Wege zu den Gates jeden Monat immer wieder ändern.

Heimkehr

Heimkehr

Nach ein paar Tagen wohlbehalten von einer Reise heimzukehren ist eine unterschätzte Gnade. Nicht weil Reisen heutzutage besonders gefährlich wäre. Aber es gibt viele Ort, an welche man besser nicht zurückkehrt. Oder wie es unlängst jemand schön auf den Punkt brachte: Die Erde besteht zu 70% aus Wasser und 30% aus Krieg – ganz so verzweifelt ist die Lage glücklicherweise nicht.

Laudes

Laudes in Kirche St. Peter Mistail

Morgenlob in der Kirche St. Peter Mistail um 0500h. Die Stimmung ist einmalig und macht das frühe Aufstehen schnell vergessen. Wer von Thusis nach Tiefencastel unterwegs ist, sollte sich unbedingt die Zeit nehmen, dieses 1’200 Jahre alte Juwel zu besichtigen. Es ist zu jeder Tageszeit ein Erlebnis.

Hinterland

Irgendwo uterwegs nach La Chaux-de-Fonds. Nicht alle Fahrgäste entschprechen dem gängigen Cliché eines Jurassiers - wenn es denn ein solches geben sollte

Irgendwo auf der Strecke nach La Chaux-de-Fonds mitten am Vormittag. Der Zug ist fast leer und fährt trotzdem im Stundentakt. Die Landschaft gibt bei Regenwetter wenig her. Der nette Herr gleich neben mir umso mehr.

Al-Quds

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Eine Gruppe Knaben in der jerusalemer Altstadt, die im Winter fast menschenleer ist. Zumindest im Vergleich zur Touristensaison.

Der Mann, der alles hat.

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Bei mir im Keller stapeln sich die Fässer. Ich bin weit über die Dorfgrenzen bekannt als der Mann, der alles hat. Kistenweise Oliven, Wein, Bartwichse, Senfkörner, Muscheln, Bier, Marzipan und Hirnklösschen, Lappen, Mäntel, was es auch sei – bei mir gibt es das zu kaufen.

Einmal betrat eine feine junge Dame meinen Laden, gerade um fünf Uhr, als ich schliessen wollte. Missmutig schob ich den Gedanken an eingesalzne Sardellen mit einem guten Gläschen Kochwein beiseite, der meinen Kopf die letzten Stunden seit der Mittagspause beherrscht hatte, und fegte die Knopfproben vom Tisch, die der Knopfhändler eben vorbeigebracht hatte. Die Dame hüstelte, als sie an der Kiste mit sibirischem Staub vorbeiging. Dabei drückten ihre zarten Finger ein himmelblaues Seidentuch ans gepuderte Näschen, sodass ich das Beben ihrer Nasenflügel nicht sehen konnte. Am Zeigefinger, sie hatte boss eine Hand, blätterte der grünschillernde Lack ab und sie humpelte. Holzbein, dachte ich, aber ein zweiter Blick liess mich dienstbeflissen unter die Theke greifen. Ich stellte die Dose mit Damenschuhen auf die staubige Holzplatte. Verwirrt stutzte sie, blickte die Dose an, hob die feingezupften Augenbrauen und schüttelte den Kopf. Sie brauche keine neuen Schuhe, ungleiche Absätze seien der letzte Schrei in Paris. „Der letzte Schrei“, sagte sie, und „Paris“. Eine echte Grossstädterin hatte den Weg in mein Dorf gefunden. Ich bekam gleich feuchte Hände vor Nervosität. Was, wenn sie etwas verlangte, das ich nicht im Sortiment hatte? Schon stellte ich mir die hämischen Blicke von Johann vor, dem Supermarktbesitzer, während ich das Schild von der Tür schraubte, das alles versprach. Die Dame hüstelte leise und melodisch. „Ein Fässchen Päpstchen hätt‘ ich gern.“ Erleichtert öffnete ich einen Holzdeckel, griff eine Handvoll Päpste heraus und schnürte sie fest zusammen. „Spargel dazu?“, fragte ich höflich. Vornehm begeistert nickte die Dame und bezahlte mit Knöpfen.