Zeitreise

Als sich Lantsch / Lenz zu einem wichtigen Porten-Ort entwickelte, war es attraktiv an der Durchgangsstrasse zu bauen, wovon die oftmals herrschaftlichen Häuser heute noch zu berichten wissen. Aber solche Dinge änderten sich im Laufe der letzten Jahrhunderte eben. Jahrhunderte immerhin – wie sieht es heute aus, wo in vielen Lebensbereichen von disruptive Änderungen gesprochen wird? Worauf baut man heute seine Zukunft?

Zwischensaison

Die Zwischensaison in den Bergen hat zu Unrecht einen schlechten Ruf, denn sie ist nur auf eine andere Art schön. Vorausgesetzt natürlich, man hat ein Auge für die Schönheit der Natur jenseits von Kalenderbildern. Liebhaber der Berge haben aber auch eine moralische Verantwortung, gelegentlich ein Wochenende ausserhalb der Hauptsaison in den Bergen zu verbringen: Es ist kaum möglich, moderne Hotelanlagen mit riesigem Wellnessbreich und einen Sternekoch zu bieten, wenn nur während sechs Monaten Gäste kommen.

Mehrzweckhalle

Viele Gemeinden geben viel Geld für ihre Mehrzweckhalle aus. Für kleine Gemeinden kann dies durchaus eine erhebliche finanzielle Belastung sein. Woher kommt wohl dieses Bedürfnis? Vielleicht daher, dass Gemeinde von Gemeinschaft kommt, Gemeinschaft dafür aber gelebt werden muss. Es braucht Vereine und Organisationen wie die Jungschar hier in Lantsch / Lenz, welche in der Mehrzweckhalle auch dieses Jahr wieder ein grossartiges Theaterstück aufgeführt hat. Und damit Jung und Alt angezogen hat.

Ansichtssache

Berge waren vor 200 Jahren vor allem furchteinflössend. Es brauchte die jungen Adeligen aus England, welche zum Ende des 18. Jahrhunderts damit begannen in die Schweiz zu reisen, und uns Schweizern die Augen für die schönen Seiten der Berge zu öffnen. Kurz darauf öffneten wir dafür Berggasthäuser, und so entwickelte sich der Tourismus, von dem heute ganze Kantone leben. Was ist wohl „the next big thing“, für welches zu sehen wir externe Hilfe brauchen?

Endzeit

Familien vergehen und Ansprüche steigen. Vor vielen Jahrzehnten war dieses Haus wohl der Stolz einer Familie. Heute mag es auch geringe Ansprüche nicht mehr zu erfüllen. Leerstehend dient es nur noch als Träger der Bauprofilierung. Bald steht hier ein Quader mit hängenden Erkern (fällt nich in Ausnutzung) und Fenstern bis zum Boden (ist schick). Und in vielen Jahrzehnten wird wieder ein Neubau ausgesteckt sein, denn wir werden uns wieder höhere Ansprüche leisten können – hoffentlich.

Sperrgut

1842 steht auf diesem Schloss am Eingang zur Marienkirche in Lantsch / Lenz. Dieses Tor steht also schon viele Jahre hier. Es wurde von Meisterhand sorgfältig genietet; in einer Zeit als Arbeit billig und Material teuer war. Letzteres mangels metallurgischer Kenntnisse der Zeit sicher schlichter Natur. Und trotzdem steht das Tor hach 160 Jahren noch immer hier.  Den Auspuff unseres Autos hätten wir in dieser Zeit dreissigmal ersetzen müssen.

Gebrauchsgegenstand

Die Gesangsbücher werden in der Antoniuskirche in Lantsch/Lenz noch fleissig genutzt. So wie die ganze Kirche, welche trotz kleiner Gemeinde weit besser gefüllt ist, als so manches Gotteshaus in der Stadt. An gewissen Feiertagen sitzen die Frauen und Männer in je einer Kirchenhälfte – um die alten Lieder auf romanisch und in wechselnden Tonlagen zu singen.

Skination

Auch dieser Winter meint es bisher nicht gut mit den Bergbahnen. Dank riesiger Investitionen ist es trotzdem möglich, auf erstaunlich guten Pisten Skifahren zu können. Mindestens so wichtig wie Schneekanonen, ist das aber auch, die Jungend auf die Skier zu bringen. Nur: Wie hält man bei steigenden Investitionen und rückläufiger Frequenzen die Preise familientauglich?

Türschmuck

Tuerschmuck

Häuser haben einen ganz persönlichen Stil und Stolz. Man stelle sich einen bunten „Welcome to our home“  Türvorleger vor diesem Jahrhunderte alten Tor vor. Das würde gar nicht gehen. Dieser Kranz aber passt ganz hervorragend zu Haus und Tor – es bleibt einfach zu hoffen, dass hinter diesem Tor trotzdem etwas mehr Farbe und Freude herrscht.

Transit

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Lantsch / Lenz war früher ein Porten Ort, der über Zollrechte verfügte. Das waren gute Jahre, bis die Albula Bahnlinie in Betrieb ging. Dann kamen viele magere Jahre, bis der Tourismus in Lenzerheide überschwappte. Doch gibt es noch viel alte, schöne Bausubstanz mit reichlich Geschichte in Lantsch. Und eine intakte Dorfgemeinde.